Führungskräfte-Coaching in Wirtschaft und Sport – Interview mit Christoph Ungerböck

von | Mrz 27, 2022 | Uncategorized

Können Erkenntnisse aus dem Führungskräfte-Coaching und aus dem Leistungssport kombiniert werden? Christoph Ungerböck ist Coach und Trainer für Führungskräfte und Sporttrainer*innen und tut genau das. In diesem Interview gibt er einen kleinen Einblick in seine Arbeit. Außerdem berichtet er von seinen Erfahrungen in der 6-monatigen Ausbildung zum Führungskräfte-Coach. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen.

Lieber Christoph, du warst jetzt 6 Monate in der Ausbildung zum Führungskräfte-Coach dabei und hast dabei dein Angebot im Führungskräfte-Coaching weiterentwickelt. Magst du dich kurz selbst vorstellen?

Liebe Jasmin, vorweg einmal vielen Dank für das Interview und deine Begleitung in den letzten 6 Monaten. Ich bin Christoph Ungerböck und mittlerweile 7 Jahre selbständig als Coach & Trainer. Als Quereinsteiger in dieses Business habe ich in den letzten Jahren Trainings und Coachings zu verschiedenen Themen in der Wirtschaft durchgeführt und parallel als Mental Coach und Teamentwickler im Leistungssport gearbeitet.

Durch die Pandemie und die damit verbundenen wirtschaftlichen Einschnitte, habe ich mich entschieden mich neu auszurichten und mich verstärkt dem Thema Führungskräfte-Coaching in der Wirtschaft und im Sport zu widmen. Um hier die richtigen und vor allem auch notwendigen Schritte zu gehen, habe ich dich und dein Programm ausgewählt.

Du hast in der Zeit unserer Zusammenarbeit vor allem zwei Begriffe in der Ausbildungsgruppe geprägt: „die Führungskraft als Gärtner*in“ und „winning without losing“. Warum beschreiben gerade diese beiden Aspekte dein Führungsleitbild so gut?

Das ist eine spannende Frage! Diese beiden Phrasen begleiten mich schon einige Zeit und aus meiner Sicht sind dies auch sehr spannende Aspekte für Führungskräfte. „Winning without losing“ ist der Titel eines Buches von Martin Bjergegaard und es handelt davon, wie man im Job erfolgreich sein und zeitgleich auch ein glückliches und erfülltes Leben führen kann. Gerade für mich als junger Familienvater und Unternehmer ist dies ein besonders interessantes Thema, weil ich selbst diesen oft schmalen Grat nicht immer perfekt hinbekomme. Wesentlich ist für mich jedoch, dass es einen Weg geben kann, in dem wir voll Freude und Energie unseren Job machen und parallel aber auch darauf achten, dass wir langfristig leistungsfähig bleiben. Dafür braucht es auch Ausgleichs- und Regenerationszeiten und auf der anderen Seite auch einen guten Fokus, um zum richtigen Zeitpunkt sein Potential abrufen zu können. Unter diesem Titel erarbeite ich mit meinen Klient*innen passende Herangehensweisen, um ihre gesteckten Ziele im Job, sowie auch im privaten Umfeld zu erreichen.

„Die Führungskraft als Gärtner*in“ ist für mich eine treffende Metapher für eine positive Grundhaltung in der Führungsrolle. Ein*e Gärtner*in hegt seine Pflanzen, unterstützt mit geeigneten Maßnahmen ihre Entwicklung und sorgt für die perfekten Rahmenbedingungen damit sie ihr Potential zur Gänze entfalten können. Auch Menschen benötigen ein Umfeld, indem sie sich entfalten können und ihre Stärken zum Einsatz bringen können. Das heißt, es braucht zu unterschiedlichen Zeiten und Entwicklungsschritten die geeigneten Maßnahmen und Rahmenbedingungen. Ein wichtiger Aspekt, der für mich hier noch beachtet werden sollte, ist die Unterschiedlichkeit der Menschen. Denn vor allem die Hobbygärtner*innen unter uns wissen, dass jede Pflanze so ihre Eigenheiten hat und dementsprechend angepasst behandelt werden muss, um gut zu gedeihen. 😉

Ich finde bei dir so spannend, dass du auch Erkenntnisse aus dem Leistungssport mit in das Coaching einbringst. Wie kam es dazu? Und was ist für dich das Besondere daran?

Während meines gesamten beruflichen Lebens spielte der Fußball immer eine besondere Rolle. Auf meinem Weg habe ich in unterschiedlichen Funktionen und Rollen in und rund um den Fußball gearbeitet. Da ich in der Wirtschaft und dem Leistungssport gearbeitet habe, konnte ich viele Parallelen erkennen und im Zuge meiner Fortbildungen auch reflektieren. Grundlegend ist die Intensität der beruflichen Herausforderungen in vielen Bereichen ähnlich hoch wie im Leistungssport. Klar sind die Belastungen unterschiedlich, schlussendlich geht es jedoch in beiden Branchen darum, regelmäßig Topleistungen zu erbringen. Dies kann nur gelingen, wenn ich auch die physischen und psychischen Voraussetzungen habe. Das Bewusstsein dafür ist im Leistungssport wesentlich stärker ausgeprägt als in der Wirtschaft.

Für mich persönlich ist es wichtig diesen gesamtheitlichen Ansatz aus dem Leistungssport in die Wirtschaft zu übertragen. Uns ist allen klar, dass eine bewusste Ernährung, ausreichend Regeneration und auch die mentale Fitness wichtige Bestandteile sind, um dauerhaft gute Leistungen im Sport zu erbringen. Viele Führungskräfte und Mitarbeiter*innen stehen unter permanenten Leistungsdruck. Um deren Leistungsfähigkeit zu gewährleisten, übertrage ich Strategien und Herangehensweisen aus dem Spitzensport in den Alltag von Führungskräften, um ihre Performance zu erhalten beziehungsweise auch zu steigern.

Du arbeitest, wie gerade schon beschrieben, mit zwei Zielgruppen: Führungskräfte in Unternehmen und Fußballtrainer*innen. Wo gibt es hier aus deiner Sicht Überschneidungen – aber vielleicht auch Unterschiede?

Nehmen wir als Beispiel die Trainer*in. Sie hat viele SpielerInnen die je nach Status, Alter, Qualität unterschiedliche persönliche Ziele verfolgen und dementsprechend ihre Prioritäten setzen. Der Grat hier einerseits dem Individuum seinen Freiraum zu geben und auf der anderen Seite die gemeinsam definierten Ziele zu erreichen ist eine spannende Herausforderung und bedarf ein hohes Maß an sozialer Kompetenz, um niemand auf dem Weg zu verlieren. Denn eine Saison ist lange und Spannungen im Team färben zwangsläufig auch auf die Leistungsfähigkeit der Mannschaft ab.

Aus meiner Sicht ist das in der Wirtschaft sehr ähnlich. Der Vorteil für die Führungskräfte in der Wirtschaft ergibt sich einerseits aus der Schnelllebigkeit des Fußballs, da hier alle Prozesse viel schneller durchlaufen werden und auf der anderen Seite durch die umfassende mediale Berichterstattung, durch die wir detaillierte Einblicke in die täglichen Herausforderungen, Entscheidungen der Spieler*innen und Trainer*innen sowie die daraus resultierenden Ergebnisse erlangen. In meiner Arbeit bringe ich aus diesem Grund oft Beispiel aus dem Fußball ein, um hier eine andere Sichtweise auf die Problematiken von Leadership und Teamentwicklung aufzuzeigen.

Interessante Vergleiche kann man auch für die Themen Recruiting und Mitarbeiter*innenentwicklung ziehen. Welche Kriterien wären für dich als Trainer*in einer Bundesligamannschaft bei der Verpflichtung eines neuen Spielers relevant? Auch die Thematik wie viel Einfluss ein*e Trainer*in während eines Spiels auf ihre Mannschaft hat, kann durchaus interessante Überlegungen erzeugen.

Im Fußball bzw. Profitrainergeschäft wird sehr viel Wert auf die fachlichen Aspekte gelegt. Da es schlussendlich zum größten Teil um die Führung von Menschen und Teams (Spieler*innen, Betreuer*nnen …) geht, ist es wichtig sich als Trainer*in mit diesen Themenfeldern auseinanderzusetzen und weiter zu entwickeln. Zu diesen Themen gibt es in der Wirtschaft schon langjährige Erfahrungen, welche oft sehr einfach für den Leistungssport übertragen werden können. Auch hier können oft Beispiele aus dem anderen Bereich helfen eine emotionslosere Sichtweise auf die Herausforderungen und die möglichen Lösungsansätze genutzt werden.

Nun hast du während der letzten Monate intensiv an deinem Konzept gearbeitet und für dich drei Konzeptbausteine definiert. Welche sind das? Und warum hast du dich gerade für diese entschieden?

Während unserer gemeinsamen Reise haben wir immer wieder verschiedene Schwerpunkte diskutiert und in Frage gestellt. Daraus haben sich für mich die drei Säulen Self Leadership, Leadership Skills und High Performance Teams entwickelt. Aus meiner Sicht kann ich nur dauerhaft eine gute Führungskraft sein, wenn ich mich selbst gut kenne und auch in der Lage bin mich mit all meinen Stärken und Schwächen selbst zu führen. In diesem Zusammenhang ist mir das Thema Vorbild sehr wichtig, da wir als Mensch, aber vor allem als Führungskraft immer eine Vorbildfunktion haben, egal ob positiv oder negativ. Die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und die regelmäßige Reflexion ist ein wesentlicher Faktor, um langfristig erfolgreich zu sein.

Bei jungen bzw. neuen Führungskräften fehlt oft ein theoretisches Grundwissen zum Thema Führung. Dieses vermittle ich mit der zweiten Säule Leadership Skills. Hier gebe ich theoretische Hilfestellungen, welche dann auch direkt in der individuellen Führungsrolle umgesetzt werden sollen. Da es in unserer komplexen Welt kaum noch Aufgaben gibt, die wir allein lösen und bearbeiten können, ist es aus meiner Sicht wesentlich sich auch mit den Dynamiken von Teams und deren Beeinflussbarkeit zu beschäftigen. Der Bereich High Performance Teams beinhaltet einerseits theoretische Impulse, um den Methodenkoffer zu erweitern, andererseits arbeiten wir hier auch an individuellen Lösungen und Herangehensweisen, das eigene Team zu einem High Performance Team zu entwickeln.

Wir haben nun 6 Monate zusammengearbeitet. Ich hatte zum Schluss den Eindruck, du hast einige Meilensteine in dieser Zeit erreicht. Was meinst du? Wo standest du zu Beginn der Ausbildung und was hat sich bei dir seit dem Start der Ausbildung zum Führungskräfte-Coach verändert?

Vorweg möchte ich dir hier auch nochmal für deine Geduld danken. Es war nicht immer einfach mit mir. Vor dem Beginn unserer Zusammenarbeit war ich unsicher, in welche Richtung ich mich entwickeln möchte bzw. sollte, um wieder mehr Leichtigkeit in meiner Arbeit zu verspüren. Schlussendlich habe ich wichtige Schritte gemacht und bin wesentlich klarer in dem was ich zukünftig anbieten möchte. Mir ist verstärkt bewusst geworden, wie wichtig es ist, mich mit meinen Wunschkund*innen auseinanderzusetzen und darauf aufbauend die richtigen Produkte zu entwickeln. Ergänzend habe ich auch viele spannende neue Tools und Methoden von dir lernen dürfen und werde sicher das eine oder andere für mich in Zukunft nutzen.

Weiters haben wir in den letzten Monaten intensiv an meiner Positionierung gearbeitet. Hier gilt es nun, diese Erkenntnisse in meine Marketingaktivitäten zu übertragen und sichtbarer zu werden. Da gibt es natürlich noch einiges zu tun, jedoch habe ich durch unsere Zusammenarbeit wieder ein klareres Ziel vor Augen und dies hilft, engagiert und motiviert die nächsten Schritte in Angriff zu nehmen.

Wie können Führungskräfte und Fußballtrainer*innen nun mit dir zusammenarbeiten?

Die Zusammenarbeit mit Führungskräften und Fußballtrainer*innen sieht so aus, dass ich sie über sechs Monate begleite. Unsere Meetings finden je nach Möglichkeit live oder online zumindest alle zwei Wochen statt. Zu Beginn unserer Zusammenarbeit erfassen wir die aktuelle Situation mit all ihren Herausforderungen und definieren Schwerpunkte, die wir während unseres gemeinsamen Weges bearbeiten. Die Basis ist wie schon angemerkt immer die Reflexion der eignen Persönlichkeit und wie wir mit all den Stärken und Schwächen bestmöglich unsere Ziele erreichen können.

In weiterer Folge geht es darum, eine ausgeglichene, motivierte und vor allem auch erfolgreiche Führungskraft zu werden. Das Ziel ist am Ende unseres gemeinsamen Weges eine gute Taktik, Strategie und auch technische Fähigkeiten zu besitzen, um die Herausforderungen in der Führungsrolle bestmöglich zu absolvieren.

Nach einem ausführlichen Einstiegsgespräch biete ich derzeit auch eine verkürzte drei Monatsvariante für interessierte Menschen an. Der Vorteil hierbei ist einerseits die kürzere Zeitspanne, sowie auch die Möglichkeit mich und meine Arbeitsweise besser kennen zu lernen.

Highlights meines Führungskräfte Coaching Programmes sind:

• Individualisierte Themenschwerpunkte
• Shadowing – Beobachtung & Reflexion im jeweiligen Arbeitsumfeld
• LINC LPP Personality Check inkl. Tiefenprofil für Führung

Vielen Dank, Christoph, für das tolle Interview und die gute Zusammenarbeit. Ich wünsche dir viel Freude und Erfolg bei deinen nächsten Schritten.

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Mehr zu Christoph findest du hier:

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