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Online-Kurse erstellen als Coach – Interview mit Lena Kallemeier

von | Mai 22, 2021 | Uncategorized | 0 Kommentare

Das digitale Lernen hat in den letzten Monaten einen sehr großen Aufschwung genommen. Noch nie haben so viele Menschen sich online weitergebildet und weiterentwickelt. Nun ist es jedoch so, dass grob zwischen zwei Arten von Online-Lernen unterschieden werden kann: das Lernen im Live-Setting und das zeit- und ortsunabhängige Lernen mit jederzeit abrufbaren Inhalten.

Da es immer mehr zeit- und ortsunabhängige Online-Kurse gibt, habe ich dazu eine Expertin ins Interview eingeladen. Lena Kallemeier ist Wirtschaftspsychologin, Expertin für Online-Kurse und hat jahrelange Erfahrung als Personalentwicklerin in der Industrie. Gemeinsam haben wir das Thema „Online-Kurse erstellen als Coach“ genauer beleuchtet. Was sind Vorteile? Wo liegen vielleicht auch Nachteile? Und was macht einen richtig guten Online-Kurs aus? Viel Spaß beim Lesen.

Lena, du bist Expertin für Online-Kurse und begleitest bei der Konzepterstellung, der inhaltlichen Gestaltung und dem technischen Aufsetzen. Wie bist du denn dazu gekommen? Magst du dich kurz vorstellen?

Ich bin Beraterin und Umsetzerin für Unternehmerinnen, die mit Leichtigkeit einen begeisternden Onlinekurs erstellen möchten.

Angefangen hat alles mit meiner eigenen Leidenschaft fürs Lernen – ich liebe es, mir neues Wissen und neue Fähigkeiten anzueignen. Außerdem war ich schon immer davon fasziniert, wie Lernprozesse funktionieren. Daher hat mir auch mein Wirtschaftspsychologie-Studium sehr viel Spaß gemacht.

Im Anschluss habe ich als Personalentwicklerin bei einem Maschinenbau-Zulieferer gearbeitet. Dort war ich unter anderem für die Weiterbildung von über 1.700 Mitarbeitern aus ganz Deutschland zuständig. Zu meinen Lieblingsaufgaben gehörte es, (digitale) Entwicklungsprogramme zu konzipieren und umzusetzen.

Meinen ersten Onlinekurs habe ich 2018 mitgemacht und seitdem hat mich das Thema Onlinebusiness fasziniert. Im Mai 2020 habe ich dann den Sprung gewagt und mein eigenes Unternehmen gegründet. Um leichter Fuß zu fassen, habe ich als Virtuelle Assistentin für Webdesign und Onlinekurse gestartet und erstmal Erfahrungen bei der Unterstützung von Einzelunternehmerinnen gesammelt. Nach einem halben Jahr erfolgte dann die Umpositionierung als Expertin für Onlinekurse.

Wie definierst du den Begriff Online-Kurs? Was verstehst du darunter?

Ich fasse den Begriff Onlinekurs recht weit – ich verstehe darunter jedes skalierbare digitale Lernprogramm.

Lernprogramme bestehen in meinen Augen aus mehreren strukturierten Lerninhalten, die eine Veränderung bei dem Lernenden bewirken (sollen).

Der Begriff digital ist glaube ich selbsterklärend. Für mich fallen darunter erstellte Videos, Audios, Texte und Arbeitsblätter, die online verfügbar sind. Möglich sind auch virtuelle Live-Events und virtuelle Gruppen für den Austausch.

Skalierbar bedeutet, dass die eingesetzte Arbeit für das Erstellen des Lernprogrammes unabhängig von der Anzahl der TeilnehmerInnen und damit auch deines Umsatzes ist. Ob sich 2, 10, 100 oder 1.000 Menschen deine Videos anschauen, Audios anhören oder die Arbeitsblätter herunterladen und ausfüllen, bedeutet denselben Arbeitsaufwand beim Erstellen. Man investiert dieselbe Zeit bei einem Gruppen-Live-Call, egal wie viele Menschen daran teilnehmen.

Natürlich gibt es schon Unterschiede beim Betreuungsaufwand, aber im Vergleich zu einer 1:1 Betreuung sind Zeiteinsatz und Umsatz deutlich unabhängiger voneinander.

Wie ein Onlinekurs dann konkret aussieht, kann sehr individuell unterschiedlich sein.  

Beispiele für Onlinekurse können sein:

  • Videokurs
  • Audiokurs
  • Textbasierter Kurs
  • E-Mail-Kurs (Inhalte werden via E-Mails ausgeliefert)
  • Kurs-Plattform
  • Live-Gruppenprogramm

Ich bin großer Fan von abwechslungsreichen Kursen mit unterschiedlichen Medien, um Abwechslung zu bieten und unterschiedliche Lernvorlieben zu berücksichtigen.

Was ich nicht zu einem Onlinekurs zähle:

  • Ebook, da digital und skalierbar, aber kein Lernprogramm
  • Digitaler Workshop, da digital und skalierbar, aber nur eine Lerneinheit
  • Digitales 1:1 Programm, da nicht skalierbar

Welche deiner Kenntnisse aus den Bereichen Wirtschaftspsychologie und Personalentwicklung helfen dir denn bei der Online-Kurs-Erstellung?

Mein Wirtschaftspychologie-Studium hat mir viele Grundlagen vermittelt, die ich jetzt in meine Arbeit einfließen lasse. Am meisten helfen mir die Inhalte der Allgemeinen Psychologie: dort habe ich viel Wissen über unser Gehirn, Lernen, Gedächtnis, Denken, Emotion und Motivation mitgenommen. Aber auch das Thema Nutzerfreundlichkeit haben wir im Studium behandelt. Diese Inhalte helfen mir, die Qualität von Onlinekursen zu erhöhen. Im Grunde geht es bei einem erfolgreichen Onlinekurs um den Lernerfolg der Teilnehmer*innen, da spielen die oben genannten Aspekte eine große Rolle.

Als Personalentwicklerin konnte ich dieses Wissen in der Praxis anwenden. Ich habe Lernprogramme für unsere Mitarbeiter entwickelt und umgesetzt und dabei direkt gemerkt, was gut funktioniert, oder auch nicht. Außerdem habe ich mich im Bereich digitales Lernen weitergebildet und die Einführung von E-Learning im Unternehmen begleitet, sowie digitale Lerninhalte erstellt.

Was macht einen richtig guten Online-Kurs aus?

Für mich gehören mehrere Faktoren dazu:

Fokus auf ein Thema und die wirklich wichtigen Inhalte legen

Die Teilnehmer*innen haben ein Ziel, warum sie den Onlinekurs gekauft haben. Dieses Ziel wollen sie schnell erreichen. Die Konzentrationsspanne eines Menschen ist verblüffend gering, daher sollte man sich wirklich auf die wichtigen Dinge konzentrieren.

Praxisorientierten Mehrwert liefern:

Theorie ist wichtig, aber Praxis ist noch wichtiger! Daher sollten die Inhalte auf Anwendbarkeit ausgerichtet sein und die TeilnehmerInnen schnell erste Veränderungen spüren. Es sollte immer klar sein, welcher Sinn hinter Inhalten und Übungen steckt und es sollten passende Möglichkeiten zur Umsetzung aufgezeigt werden.

Gefühle ansprechen:

Wenn wir etwas Neues lernen, spielen unsere Emotionen eine große Rolle. Daher ist es wichtig, dass die Gefühle der Teilnehmer*nnen angesprochen werden. Eine angenehme Lernumgebung, ein tolles Nutzererlebnis und Spaß beim Lernen erhöhen den Lernerfolg.

Struktur vorgeben:

Die Struktur eines Kurses sollte auf den ersten Blick erfassbar, klar und übersichtlich sein. Das Wissen sollte logisch aufeinander aufbauen und in kleine verdauliche Häppchen aufgeteilt sein.

Was ist denn nun wichtig bei der Online-Kurs-Erstellung? Was rätst du jemandem, der zum ersten Mal einen Online-Kurs erstellt?

Wichtig ist auf jeden Fall, den richtigen Zeitpunkt für die Kurserstellung zu finden. Denn ein Onlinekurs hilft dir und deinen Kund*innen nur, wenn du ihn auch verkaufst. Und dafür ist eine gewisse Reichweite hilfreich oder aber ein gutes Budget für Werbeanzeigen und genügend Vorlaufzeit.

Meine Empfehlung ist es, erstmal nur ein grobes Konzept zu erstellen und dann zu testen, ob genügend Interesse dafür da ist. Die Erstellung eines Onlinekurses bedeutet sehr viel Arbeit und es wäre schade, diese zu investieren, wenn dann am Ende nur wenig Umsatz dabei rauskommt.

Wenn die Idee gut ankommt, kann die Kurserstellung so richtig losgehen. Aus Erfahrung empfehle ich, sich erstmal einen Überblick über die anfallenden Aufgaben zu verschaffen. Dabei hilft mein gratis Kurs-Guide, den ich extra zu diesem Zweck entwickelt habe. Man sollte das Projekt eigener Onlinekurs nicht unterschätzen und genügend Zeit dafür einplanen. Wenn man einmal einen Fahrplan erstellt hat, kann man sich im Anschluss daran entlang hangeln. Das hilft gerade in Zeiten, wenn bei den vielen unterschiedlichen Aufgaben Überforderung droht.

Gerade das Coaching lebt ja nun von der intensiven Arbeit miteinander. Wie passt das mit dem Konzept eines Online-Kurses zusammen? Was würdest du hier Kritiker*innen antworten?

In meinen Augen kann ein Onlinekurs ein 1:1 Coaching nie 100%ig ersetzen. Aber ein Onlinekurs kann ein Coaching begleiten oder eine Alternative für Menschen sein, für die eine 1:1 Zusammenarbeit nicht infrage kommt.

Als 1:1 Coach kannst du einfach nur einer sehr begrenzten Anzahl von Menschen helfen, das ist bei einem Onlinekurs ganz anders. Natürlich wird die Transformation der einzelnen Person in den meisten Fällen tiefer gehen, wenn sie individuell betreut wird. Wenn man das große Ganze betrachtet, kann es sein, dass ein Onlinekurs mehr in der Welt bewirkt.

Zumal ein Onlinekurs viele Vorteile gegenüber einer 1:1 Betreuung hat, sowohl für die Teilnehmer*nnen als auch für den/die Ersteller*in.

Die Teilnehmer*innen können im eigenen Rhythmus flexibel lernen, müssen weniger investieren als beim 1:1 und profitieren vom Gruppenlernen (soweit dies ermöglicht wird). Ein Onlinekurs ist intensiver als ein Buch und effizienter als das Zusammensuchen von kostenlosen Inhalten. Er ermöglicht es, individuelle Methoden zu erlernen und von Erfahrungen anderer zu profitieren. Ein Onlinekurs kann sehr powervoll sein und das Leben der Teilnehmer*nnen verändern – das habe ich selbst schon erlebt.

Als Kursersteller*in gewinnt man ein zusätzliches Standbein und damit mehr Sicherheit im Business. Durch die Entkopplung von Zeit und Geld gibt es keine Einkommensgrenzen sowie mehr Freiheit und Unabhängigkeit. Es ist vergleichsweise einfach, den Verkaufsprozess für einen Onlinekurs zu automatisieren. So kann man Geld verdienen, während man andere Dinge erledigt oder die Beine hochlegt. Wenn der Onlinekurs die TeilnehmerInnen begeistert, unterstützt dies den eigenen Status als Expert*in. Man wird bekannter und es fällt leichter, neue KundInnen zu finden. Ein digitales Lernprogramm ermöglicht es, die eigene Zeit flexibler zu nutzen und sein Know-how für sich arbeiten zu lassen.

Vielen Dank, Lena, für das tolle Interview. Ich denke, dass nun sehr viel klarer ist, welchen Mehrwert auch ein gut konzipierter Online-Kurs bieten kann. Und ich habe für mich selbst mitgenommen, dass für uns als Coaches gerade auch die Mischung den Reiz ausmachen kann.

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Mehr zu Lena findest du hier:

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