Leadership Coaching im Non-Profit-Bereich – Interview mit Melanie Hörenz-Pissang, Coach und Sozialmanagerin

von | März 26, 2021 | Blog

Führung im Non-Profit-Bereich unterscheidet sich in vielen Punkten von Führung im Profit-Bereich. Das bedeutet logischerweise auch, dass sich auch Leadership Coaching im Non-Profit-Bereich an diese Voraussetzungen anpassen muss.

Melanie Hörenz-Pissang habe ich vor einiger Zeit schon einmal zu den Rahmenbedingungen von Führung im Non-Profit-Bereich interviewt. Nun hat Melanie mithilfe meines Programms „Train the Leadership Coach“ ein Coaching-Programm für Führungskräfte im Non-Profit-Bereich entwickelt. Was ihr dabei wichtig war und wie sie das Programm aufgesetzt hat, beschreibt sie in diesem Interview. Viel Spaß beim Lesen.

Melanie, dir liegt als Systemischer Coach für Non-Profit-Organisationen die Weiterentwicklung von Führungskräften im sozialen Bereich sehr am Herzen. Was sind Herausforderungen von Führungskräften in dieser Branche?

In unserem gemeinsamen Interview zum Thema „Führung in Non-Profit-Organisationen“ habe ich Dir geschildert, dass sich Führungskräfte in Non-Profit-Organisationen in einem Spannungsfeld verschiedener Akteure (z.B. Fördergeldgeber, Nutzerinnen, Verwaltung, Politik) mit teilweise divergierenden Interessen, Perspektiven und Rahmenbedingungen und zwischen einer dualen Personalstruktur von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen mit einer hohen Beziehungs- und Wertorientierung bewegen.

Die daraus resultierenden Anforderungen für Führungskräfte sind sehr komplex, widersprüchlich und herausfordernd. Leitende in kleineren und mittleren Vereinen und anderen gemeinnützigen Organisationen stehen vor der Herausforderung, vielfältige Aufgaben oftmals allein erfüllen zu müssen – von der strategischen Ausrichtung über die Fördermittelakquise bis hin zum Fundraising und Personalmanagement.

Oft wird eine Arbeitssituation beschrieben, die durch Arbeitsverdichtung und Anspannung geprägt ist und nur wenig Raum für Aktivitäten außerhalb des Alltagsgeschäfts lässt. Führung passiert häufig „nebenbei“ und wenig strukturiert.

Du warst selbst viele Jahre als Geschäftsführerin in diesem Bereich tätig und hast nun einen „Trainingskurs für Führungskräfte in Non-Profit-Organisationen“ entwickelt. Was war dir bei der Entwicklung wichtig?

Ich war in kleineren Vereinen als Geschäftsführerin tätig und hatte im Rahmen dieser Organisationsstrukturen kaum Möglichkeiten des Austausches mit gleichgesinnten Personen, die ähnliche Herausforderungen haben. Ich habe mich häufig gefragt, ob ich den gestellten Anforderungen gerecht werden kann, meine Kolleg*innen ausreichend motiviere, fördere, die Zusammenarbeit im Team stärke und innovative Strategien für die Organisation weiterentwickle. Und wie gelingt es mir dabei, achtsam mit mir selbst umzugehen und nicht auszubrennen.

Mir fehlte die Reflektionsebene für eine systematische, konstruktive Auseinandersetzung meines Führungshandels und die Möglichkeiten der Weiterentwicklung.

Mir ist die Perspektive auf die Besonderheiten und Spannungsfelder von Non-Profit-Organisationen, insbesondere von kleinen Vereinen mit wenig hauptamtlichen Mitarbeiter*innen wichtig. Deshalb bilden die Themen „Grundlagen von Führung“ und die Dimensionen Selbst-, Personen- und Organisationsführung den inhaltlichen Schwerpunkt.

Worauf legst du in deinem Programm den Fokus? Welches Ziel können Führungskräfte damit erreichen?

Mein Programm „Bereit für Neues?“ bietet Führungskräften die Möglichkeit, sich zu selbstbewussten und visionären Führungspersönlichkeiten zu entwickeln.

Die Teilnehmenden erwerben Klarheit über ihre Rolle, lernen einen eigenen Führungsstil zu entwickeln und wichtige Führungsinstrumente gezielt einzusetzen. Sie eignen sich Methoden zur Gestaltung von Kommunikation und Kultur mit Teams an und erweitern ihre Fähigkeiten lösungsorientierte Strategien mit den vorhandenen Rahmenbedingungen und Ressourcen zu entwickeln. Die Führungskräfte gewinnen mehr Sicherheit, Leichtigkeit und Souveränität für ihre Tätigkeit.

Wie würdest du deinen Ansatz beschreiben, der dem Programm zugrunde liegt?

Das Programm ist ein achtwöchiger Online-Kurs in einer kleinen Gruppe und eine Mischung aus Training, Mastermind-Gruppe und Selbstlerneinheiten mittels Wochenaufgaben und begleitende Unterlagen.
Die Führungskräfte lernen und erweitern ihre Kompetenzen durch fachliche Inputs, interaktive Gruppenarbeit, individuelles Coaching und Kollegialer Beratung.

Sie haben die Möglichkeit, sich in einem inspirierenden Rahmen mit Gleichgesinnten über aktuelle Herausforderungen auszutauschen und kritische Themen in einer vertrauensvollen Atmosphäre zu besprechen. Durch die intensive Reflexion ihrer Führungspraxis und dem vertieften Austausch über eigene Fallbespiele mit Gleichgesinnten erweitern sie ihre Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten und entwickeln sich selbst und ihr Führungskompetenz weiter.

Der Start als Beta-Programm ist für August 2021 geplant und richtet sich an Führungskräfte in kleineren Non-Profit-Organisationen.

Ich bin ja ein Fan von Beta-Kursen, da man damit gut in die Testung von Programmen gehen kann. Was verstehst du unter einem Beta-Kurs?

Ein Beta-Kurs ist eine Testversion eines Online-Kurses. Das bedeutet, dass ich den Kurs in dieser Form und mit diesen Inhalten zum ersten Mal anbiete und durchführe. Ich nutze einen solchen Testlauf, um die Inhalte konkret an den Wünschen und Erwartungen ihrer Zielgruppe auszurichten. Durch das Feedback der Teilnehmenden erhalte ich wertvolle Hinweise, wie ich die Inhalte, die Struktur und das Setting weiterentwickeln und optimieren kann.

Was hat dir bei der Entwicklung des Programms geholfen?

Die Idee für so ein spezielles Programm hatte ich schon länger. Ich begleite viele Führungskräfte in Vereinen durch meine Arbeit als systemischer Organisationscoach. Dabei erlebe ich leider häufig, dass engagierte Menschen mit Führungsverantwortung ausbrennen oder sich überfordert fühlen. Arbeit darf auch einfach sein und Spaß machen

Aus diesem Grund habe ich mich für die Teilnahme an Deinem virtuellen Programm „Train the Leadership Coach“ entschieden. Durch Dein Programm habe ich ein konkretes, zielgruppenspezifisches Leadership-Konzept entwickelt. Mir war wichtig zu lernen und reflektieren, wie ich als systemischer Coach konkret Führungskräfte mittels eines Kursangebotes unterstützen und begleiten kann. Insbesondere der intensive Austausch in der Kleingruppe, die Bearbeitung von eigenen Fällen und die gegenseitige Reflexion bezüglich erarbeiteter Inhalte oder Methoden haben mir persönlich sehr weitergeholfen. Für mich war Dein Programm sehr wertvoll und er hat mich in meinem Vorhaben – den Trainingskurs „Bereit für Neues?“ anzubieten – absolut bestärkt. Danke Dir für dieses Angebot.

Danke dir, Melanie, für diesen Erfahrungsbericht. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der weiteren Umsetzung deines Programms.

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