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Die Coachingszene boomt. Persönlichkeitsentwicklung war noch nie so populär wie aktuell. Doch was zeichnet überhaupt einen professionellen Coach aus? Und wie erkennt man eine fundierte Coachingausbildung? Mit Astrid und Susanne von der Coachingbande habe ich zu diesen Themen gesprochen. Herausgekommen ist ein wunderbares und sehr informatives Interview zur Qualität von Coachingausbildungen.

Liebe Astrid, liebe Susanne, mit der Coachingbande habt ihr eine Gemeinschaft für Coaches geschaffen, die ihre Coachingkompetenz professionell begleitet ausbauen möchten. Wie würdet ihr eure Mission beschreiben?

Liebe Jasmin, erst einmal ein ganz herzliches Dankeschön, dass du uns in Deinen Blog eingeladen hast.
Du hast tolle Themen die wunderbar professionell und mit Herz aufbereitet sind. Ein toller Blog, den wir selbst total begeistert verfolgen!

Unsere Mission hat sich aus unserer eigenen langjährigen Tätigkeit als Coaches entwickelt. Es ging uns im Coaching immer darum Sinn, Freiheit und Glück in diese Welt, zu bringen, indem wir Menschen dazu bringen, selbst Verantwortung für ihr Leben und ihr Glück zu übernehmen und den Sinn ihres Lebens zu erkennen und zu verfolgen.

Mit der COACHINGBANDE Akademie wollen wir dieses Ziel nun quasi „über Bande“ erreichen, indem wir Coaches, TrainerInnen und BeraterInnen in ihrer Arbeit mit Menschen, die ihr Leben und sich selbst verändern wollen, unterstützen und begleiten. Wir bringen Coaches schnell und kompetent ins Tun, um gemeinsam unsere Idee einer besseren Welt zu verbreiten. Dafür setzen wir unser gesamtes Wissen und unsere uneingeschränkte Leidenschaft ein. In der Coachingbande gilt: keine Geheimnisse, viel Humor und Vertrauen in uns und die Menschen, mit denen wir arbeiten.

Die Coachingbande bietet Coaches, BeraterInnen oder TrainerInnen die Möglichkeit sich einer professionellen, inspirierenden und empowernden Community aus Kolleg*innen anzuschließen, um sich zu vernetzen und gemeinsam zu wachsen. Wir bieten Intervisionsformate, kollegiale Beratung und Supervision, aber auch eine Reihe von passgenauen online Fort- und Ausbildungen an. Bei uns gilt lehren und lernen auf Augenhöhe, mit viel Tiefe, Struktur und dennoch absoluter Leichtigkeit.

Ihr legt den Fokus auf den systemischen Ansatz. Auch ich bin als systemischer Business Coach von dieser Herangehensweise sehr überzeugt. Was macht diesen Ansatz für euch so wertvoll?

Wir können uns ehrlich gesagt gar nicht vorstellen, im Coaching nicht systemisch zu arbeiten. Zu den Grundlagen des systemischen Coachings (und anderer systemischer Beratungs- und Therapieformen) zählen unter anderem die Systemtheorie und der Konstruktivismus. Wenn wir uns diese zwei Theorien oder Modelle anschauen wird klar, dass das systemische Coaching eine sehr umfassende und ganzheitliche Basis hat.

Zur Systemtheorie: Die Systemtheorie setzt das Individuum in Bezug zu der umgebenden Gemeinschaft, also dem umgebenden System. Daraus ergibt sich dann ein Verhaltensgefüge mit wechselseitigen Abhängigkeiten.
Das heißt im systemischen Coaching betrachten wir den Coachee nicht losgelöst, sondern innerhalb seines umgebenden Systems.
Das bedeutet, dass der Coachee Störungen im System und im  Verhaltensgefüge verändern kann, indem er ausschließlich sich selbst verändert.
Faszinierend ist hierbei ist der Prozess Verantwortung zu übernehmen.
Dieser Ansatz geht strikt weg von: die „anderen“ müssen sich verändern, hin zu ICH muss mich verändern.
Und Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen ist die einzig sinnvolle und hilfreiche Methode, um Frieden in das eigene Leben und die eigenen Themen zu bringen.

Zum Konstruktivismus: Der Konstruktivismus geht davon aus, dass wir nicht in der Lage sind die absolute Wirklichkeit zu sehen – weil es sie auch nicht gibt! Es gibt einzig und allein unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit.
Wir konstruieren unsere Realität und unsere Sicht auf die Dinge oder das Leben aufgrund unserer Erfahrungen.
Das heißt im Coaching, dass wir limitierende Konstruktionen auflösen und durch hilfreichere ersetzen können.
Mit Hilfe von systemischem Coaching können wir Coachees dabei unterstützen diese Gedanken-Bugs aufzulösen.

Der Begriff „Glaubenssatz“ ist mittlerweile für derartige Bugs etabliert. Es gibt limitierende Glaubenssätze: „Ich muss mich anstrengen, um geliebt zu werden“, oder positive Glaubenssätze: „Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine Andere!“ Beide Sätze sind keine allgemeingültige Wahrheit, sondern individuelle Konstruktionen, die sich aus kindlicher Prägung, kopiertem Verhalten und Lebenserfahrung ergeben. Die positiven Konstruktionen können wir sehr gerne behalten, denn sie empowern uns. An den negativen und einschränkenden Konstruktionen arbeiten wir im Coaching.

Gerade aufgrund der dahinterliegenden Philosophie ist der systemische Ansatz für uns so wertvoll. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass er eine der besten Möglichkeiten ist, um Coachees ganzheitlich und fundiert zu unterstützen.

Nun ist es so, dass der Begriff Coach nicht geschützt ist und jede*r diese Bezeichnung führen könnte. Dennoch sehe ich es in der Verantwortung eines jeden Coaches, eine fundierte Coaching-Ausbildung zu absolvieren und sich auf dem aktuellen Stand zu halten. Wie kann nun jemand, der sich für diesen Bereich interessiert, eine professionelle Coaching-Ausbildung erkennen?

Dem stimmen wir zu 100% zu. Es gibt ja seit langen Jahren Bemühungen zumindest den Begriff „systemischer Coach“ zu schützen und dieser Berufsbezeichnung eine festgelegte Qualifikation zu hinterlegen, aber noch ist das nicht geschehen.
Was es aber schon gibt ist der Zusammenschluss verschiedener Dachverbände und Ausbildungsinstitute, die sich zu einheitlichen Ausbildungskriterien entschieden haben. Hierbei wurde zum Beispiel die Dauer der Ausbildung festgelegt. Derzeit reden wir von 200 Stunden von denen 40 in selbstorganisierten Lerngruppen absolviert werden. D.h. im Umkehrschluss, dass eine Ausbildung, die 35 Stunden an zwei Wochenenden umfasst, nicht diesen Qualitätsstandards entspricht.

Was sind aus eurer Sicht Qualitätsmerkmale einer Coaching-Ausbildung?
Da knüpfen wir direkt bei der vorangegangenen Frage an. Die Ausbildung sollte tatsächlich lang genug sein, damit der theoretische Unterbau auch Zeit hat in Form gegossen zu werden. Dann sollte sie auch lang genug sein, dass die TeilnehmerInnen so viel und so oft in geschütztem Rahmen praktisch üben können, dass sie hinterher tatsächlich sicher und bereits mit einer gewissen Routine in ihre Coachings gehen können. Die Ausbildungsgruppen sollten divers genug sein, um die unterschiedlichsten Coachingthemen einbringen und an ihnen wachsen und üben zu können. Und der Selbsterfahrungsanteil sollte hoch sein, damit die Coaches, wenn sie dann selbst an den Markt gehen, ihren emotionalen Keller einigermaßen ordentlich aufgeräumt haben. Und als neuen und letzten Punkt würden wir aufgrund der aktuellen Lage sagen, dass die zukünftigen Coaches im Rahmen der Ausbildung gelernt haben sollten, sich sicher auch auf dem Parkett des online Coachings zu bewegen, denn das wird die Herausforderung der Zukunft sein.

Aufgrund der Corona-Pandemie nimmt auch das Online-Coaching immer mehr zu. Worauf sollte man eurer Meinung nach achten, wenn man auch Online-Coachings durchführen möchte?

Auf die eigene Haltung und das eigene Vertrauen, dass das auch funktioniert. Bisher galt – in den manchmal etwas konservativen Dachverbänden – das Dogma: nur Präsenzcoaching ist gutes Coaching. Geht ein Coach mit einer solchen Haltung in ein Online-Coaching wird das schwierig werden, denn seine eigene Konstruktion wird Teil der Gesprächsrealität. Aufgrund der Erfahrungen unserer eigenen Aus- und Fortbildungen legen wir unsere vier Hände dafür ins Feuer, dass ein Online-Coaching genauso tief gehen und emotional werden kann, wie ein Präsenzcoaching. Wir haben sogar den Verdacht, dass Coachees sich durch die gefühlte Distanz manchmal noch mutiger öffnen und man als Coach so oftmals schneller zum wunden Punkt kommt.

Darüber hinaus sollte natürlich die Technik funktionieren, das Tool gut ausgewählt, Licht und Mikro gut eingestellt sein und man selbst sicher in die Kamera sprechen. Und klar, der eigene Methodenkoffer sollte auch Interventionen enthalten, die man online durchführen kann. Skalenlauf, Tetralemma, Biografiearbeit, Methaphernarbeit und viele andere mehr lassen sich alle auch in die online Welt transformieren.

Zu guter Letzt: Was würdet ihr einem angehenden Coach raten?

„Kommt ins Tun!“
Wir erleben viele Coaches die aus Ausbildungen anderer Institute kommen und sich nicht trauen loszulegen und für ihre Arbeit Geld zu verlangen. Das verwundert uns sehr, haben sie doch nicht selten einen hohen vier- oder fünfstelligen Betrag investiert, um sich dann nicht zu trauen, Geld mit ihrer Expertise zu verdienen und sich in der praktischen Arbeit unsicher fühlen.

„Wählt die Ausbildungen mit Bedacht aus!“
Sinnvoll sind die Institute oder Akademien, die Euch coachen lassen, bis der Arzt kommt. Nur so gewinnt ihr Sicherheit.
Auch unter Online-Akademien und -Instituten gibt es solche und solche! Manche versenden Lernbriefe zum Selbststudium und es gibt zwei Präsenztreffen. Hier dürfte auf der Hand liegen, dass Coaching nichts ist, was man sich über die Theorie alleine aneignen kann. Coaching ist ein Prozess zwischen zwei (oder mehr) Menschen. Insofern muss ich mich als angehender Coach in der Interaktion mit anderen Menschen üben und nicht (nur) im Lesen von Lernbriefen.
Andere Online-Akademien, und so ist das auch bei uns, setzen den Schwerpunkt auf die gemeinsame Praxis, damit genau dieses Gap am Ende nicht entsteht. Unsere Coaches werden in ihrem Tun ermächtigt, so dass sie hinterher sicher loslegen können.

Und wenn es dann mit den Coachings losgeht:
„Achtet auf den Coachingprozess und die Zielklärung. Hier liegt das Geheimnis eines guten Coachings!“

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