Führungskräfte-Coaching in der Hörakustik-Branche – Interview mit Dr. Birgitta Gabriel

von | Dez 19, 2021 | Uncategorized

Führungskräfte-Coaching ist so vielfältig, wie Führungskräfte es selbst sind. Ein wunderbares Beispiel dafür ist Birgitta, die sich auf die Begleitung von Inhaber*innen von Hörakustik-Fachgeschäften spezialisiert.

Ich selbst durfte Birgitta im Rahmen meiner Ausbildung zum Führungskräfte-Coach kennenlernen und begleiten und finde super, wie sie ihr Angebot im Führungskräfte-Coaching in dieser Zeit erarbeitet und nachgeschärft hat. Außerdem kann ich sagen, dass Birgitta definitiv uns alle in der Ausbildung mit ihrer Faszination für das Thema Hören angesteckt hat.

Im Interview erzählt Birgitta davon, wie sie zur Hörakustik gekommen ist, vor welchen Herausforderungen Führungskräfte in dieser Branche stehen und natürlich auch, wie sie arbeitet und was sie nun auch noch einmal an ihrer Arbeitsweise verändert hat. Viel Freude beim Lesen!

Liebe Birgitta, du warst jetzt 6 Monate in der Ausbildung zum Führungskräfte-Coach dabei und ich kann schon so viel verraten, du hast mich und die anderen Teilnehmer*innen mit deiner Vision vom Zugang zum Thema Hören für alle auf jeden Fall angesteckt. Magst du einmal selbst erzählen, wie du zu dieser Leidenschaft gekommen bist?

Meine Leidenschaft für den Hörsinn ist im 2. Semester meines Physikstudiums entflammt. Bei so viel Mathematik und Theorie habe ich mich gefragt, was ich wohl später konkret beruflich mit Physik machen kann. Mein Tutor erzählte mir von einer Arbeitsgruppe, die digitale Hörgeräte entwickelt – die sind übrigens seit Jahrzehnten auf dem Markt, daran merkst du, wie lange das her ist. Als ich das hörte, wusste ich „Das will ich machen! Menschen das Hören und Zuhören ermöglichen!“ Unser Hörsinn, Hören, Zuhören, Hinhören – das fasziniert mich bis heute. Auch beim Coaching geht es darum, dass Menschen sich Gehör verschaffen und Hinhören. Zuhören ist eine Schlüsselkompetenz für Führungskräfte.

Nun begleitest du als Coach und Trainerin, Inhaber*innen von Hörakustik-Fachgeschäften. Was sind denn die Herausforderungen in der Führung in diesem Bereich?

Mir begegnen bei den Inhaber*innen vor allem folgende Themen:

Hörakustiker*innen, die direkt nach der Gesellenprüfung die Meisterausbildung absolvieren, können mit Anfang Zwanzig die Führung einer Filiale und von Mitarbeiter*innen übernehmen. Sie haben jedoch allein aufgrund des biologischen Alters wenig berufliche Praxis und persönliche Lebenserfahrung, auf die sie für Führungsaufgaben zurückgreifen können.

Führungsthemen werden in der Meisterausbildung zwar behandelt, aber es fehlt die Erfahrung aus der Praxis. Die vielfältigen Führungsaufgaben brauchen kontinuierliche persönliche und fachliche Weiterentwicklung. Weiterbildung kommt in der Hörakustik schnell zu kurz, weil Fachkräfte fehlen.

Das ist der nächste Engpass: die meisten Inhaber*innen sind komplett in der Kundenberatung eingebunden, zum einen, weil Personal fehlt und zum anderen, weil sie ihre Arbeit und den Kontakt zu den Menschen natürlich lieben. Das bedeutet: Führung findet am Feierabend, zwischen Tür und Angel oder erst dann statt, wenn es brennt. Führung hat zu wenig Raum – auch im wörtlichen Sinne: die Führungskräfte können sich selten räumlich zurückziehen, sie sind immer mitten im Geschehen.

Aufgrund des Fachkräftemangels werden Mitarbeiter*innen eingestellt, obwohl die fachliche und menschliche Qualifikation nicht optimal passt – das führt zu Sand im Getriebe und kostet viel Energie.

Meine Klient*innen entscheiden sich für den wunderschönen Hörakustiker-Beruf, weil sie Menschen helfen wollen. Hörakustiker*innen selbst sagen „Ich habe ein Helfersyndrom“. Weil die innere Haltung stark von Hilfsbereitschaft und Empathie geprägt ist, fällt es Führungskräften schwer, Aufgaben zu delegieren oder Erwartungen bzw. Kritik an Mitarbeiter*innen anzusprechen.

Was macht Führungskräfte in dieser Branche denn erfolgreich? Und wo setzt du dabei mit deiner Arbeit an?

Kontaktfreude, Empathie, Geduld, Vertrauen aufbauen, eine hohe Professionalität und der Wunsch, das Leben von Menschen zu verbessern sind wichtige Kompetenzen, die Hörakustiker*innen erfolgreich machen. Den Inhaber*innen ist ein harmonisches Miteinander wichtig. Oft pflegen sie einen freundschaftlichen Kontakt mit ihren Mitarbeiter*innen, nicht selten waren sie vorher Kolleg*innen. Die vielen sozialen Kompetenzen, die Hörakustiker*innen mitbringen, sind eine fantastische Ausgangssituation für mein Coaching. Und gleichzeitig setze ich genau da an, denn unsere Stärken können in anderen Kontexten hinderlich sein: wenn ich nirgendwo anecken, sondern von allen gemocht werden will, mich nicht traue, meinem Team Aufgaben zu übertragen, dann wird Führung leicht zum Stress.

In der Zusammenarbeit mit mir geht es deshalb zunächst um das Rollenverständnis und die Persönlichkeit der Führungskraft, denn unsere Haltung steuert unser Verhalten. Weil eine Führungskraft sich oft erst in einer kritischen Situation an mich wendet, ist es ein wichtiges erstes Ziel, dass die sie so schnell wie möglich Zeit und Energie für ihre Führungsaufgaben freisetzt. Dafür sehen wir uns die Aufgaben, das Team, die Kompetenzen im Team und die Aufgabenverteilung an: welche Aufgaben können delegiert werden? Sind Mitarbeiter*innen stärkenbasiert eingesetzt und Abläufe bekannt? Ein sehr großes Thema im Führungskräfte-Coaching sind natürlich die Vorbereitung und Durchführung von Mitarbeitergesprächen und die Frage, wie ich als Führungskraft gezielt Mitarbeiter*innen fördern und Aufgaben delegieren kann. Inhaber*innen setzen sich mit der Frage auseinander, wo sie mit ihrem Unternehmen in drei, fünf oder zehn Jahren stehen wollen und mit welchen Maßnahmen sie ihre Ziele erreichen.

Nun durfte ich dich ja bei der Erstellung deines eigenen Führungskräfte-Coaching-Programms begleiten. Was meinst du? Was macht dein Programm so besonders?

Es ist auf alle Fälle besonders, weil es mit deiner großen Expertise entstanden ist. Es ist mir wichtig, dass meine Kunden von den neusten Coachingmethoden für Führungskräfte profitieren. Als Physikerin liebe ich deinen wissenschaftsbasierten Ansatz mit den neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft, z.B. aus der Neurowissenschaft, die für erfolgreiche Führung relevant sind.

Führungskräfte, die ich coache, schätzen es sehr, dass ich ihre Branche, ihre Aufgaben, ihre Arbeitsbedingungen und damit ihre Herausforderungen kenne. Weil ich mit sehr vielen Führungskräften spreche, kann ich das Programm sehr genau an ihre Wünsche anpassen – strukturell und inhaltlich. Die Treffen finden online und zeitlich flexibel statt. Das Programm beinhaltet genau die Fokusthemen und Methoden, die einer Führungskraft ganz schnell wieder Handlungsmöglichkeiten eröffnen – ganz nach dem Motto „Vom Feuerlöscher zum Regisseur“.

Für die erfolgreiche Umsetzung in der Praxis wählen wir kleine Maßnahmenschritte, die gegangen werden können selbst wenn operativ sehr viel zu tun ist. Meine Kund*innen dürfen sich aufgrund meiner zahlreichen, sehr unterschiedlichen Ausbildungen, auf eine sehr große Methodenvielfalt verlassen, die durch dich noch umfangreicher geworden ist. Coachees sagen mir, dass sie durch meine Kombination aus Analysefähigkeit und Empathie schnell ihre Kernthemen erkennen und mutig und motiviert werden, Neues auszuprobieren.

Wir haben nun 6 Monate zusammengearbeitet. Was hat sich bei dir seit dem Start der Ausbildung zum Führungskräfte-Coach verändert? Welche Erfolge konntest du feiern?

Ich feiere die Erfolge meiner Kund*innen! Es beeindruckt mich, wie schnell meine Kund*innen Veränderung aktiv angehen: Teams werden neu aufgestellt, Teambesprechungen und regelmäßige Mitarbeitergespräche eingeführt. Führungskräfte reduzieren die eigene Arbeitszeit und arbeiten leichter, weil sie Aufgaben delegieren und neu organisieren. Sie schaffen und gestalten sich Arbeits- und Denkräume – dann bekomme ich stolz ein Bild vom eigenen Büro geschickt, verlassen alte Denkmuster, gewinnen förderliche Glaubenssätze, kreieren Zukunftsvisionen oder planen neue Geschäfte.

Ich fokussiere mich ganz klar auf die Hauptthemen und habe erkannt, dass für eine Führungskräfte-Entwicklung nur eine Zusammenarbeit über einige Monate nachhaltig wirkt. Am Anfang bin ich – mit Blick auf die Investition der Coachees – mit fünf Coachingsitzungen gestartet. Wir alle wissen jedoch, dass Gewohnheiten zu verändern eine Herausforderung ist und es Übung und Zeit braucht, bis das neue Verhalten im Alltag integriert ist. Weil ich Kund*innen nun länger begleite, gewinnen sie Schritt-für-Schritt Know-how, Sicherheit und Flexibilität und setzen das Gelernte im sicheren Rahmen um.

Wie geht es nun bei dir weiter? Wie sieht dein nächster Schritt aus?

Ich bin startklar. Führungskräfte können im Gespräch mit mir erfahren, wie eine Zusammenarbeit aussehen kann. Auch wenn ich weiß, dass eine spitze Positionierung hilft: mein Führungskräfte-Programm nutzen Führungskräfte aus und außerhalb der Hörbranche. Führungskräfte haben eine so wichtige Aufgabe und Funktion, dass eine Investition in die Führungskompetenz, sich auf vielfältige Weise lohnt und auszahlt.

Vielen Dank, Birgitta, für das Interview, die tolle Zusammenarbeit und den Einblick in deine Arbeit.

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Mehr Infos zu Birgitta findest du hier:

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