Gesunde Führung – aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet

von | Feb 8, 2022 | Uncategorized

Eines meiner Fokusthemen dieses Jahr ist Nachhaltigkeit. Gesunde Führung ist für mich dabei ein essentieller Bestandteil, um ein Unternehmen nachhaltiger aufzustellen. Gesunde Führung ist dabei natürlich nicht nur die gesunde Führung eines Teams, sondern auch gesunde Selbstführung.

Wie sieht das aber nun in der Praxis aus? Das habe ich vier tolle Kolleg*innen aus dem Coachings-, Trainings- und Beratungsbereich gefragt – und die Antworten möchte ich hier mit dir teilen. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen und möchte dir an dieser Stelle auch noch eine Reflexionsfrage mitgeben: Was setzt du bereits für dich um und wo kannst du noch nachjustieren?

Energiemanagement

Gesunde Führung: Was dein Energiemanagement mit deinen Führungsqualitäten zu tun hat

Gesunde Selbstführung: Was kann ich tun, um während des Tages in meiner Energie zu bleiben?

Dein Energiemanagement ist wohl eines der wichtigsten Aspekte und gleichzeitig die größte Herausforderung als Unternehmer*in oder Führungskraft:

Um in deine volle Energie zu kommen und dir diese so einzuteilen, dass du viel arbeiten kannst und gleichzeitig Freude an deinem Tun hast, bedarf es eines wichtigen Grundbausteins in deinem Leben: Deiner Gesundheit und das Wissen darüber, wie du sie fördern kannst. 

Von Dauerproduktivität zu mehr Balance im Arbeitsalltag

Zwei Aspekte sind aus ayurvedischer Sicht maßgeblich, um deine volle Energie entfalten zu können: Das Wissen über deine individuelle Konstitution sowie das Leben im Rhythmus der Natur. 

Der moderne Lebensstil hat dazu geführt, dass sich viele Menschen von ihrer eigentlichen Natur entfernt haben und entkoppelt von der Natur leben.

Was du wissen solltest: Du bist ein Naturprodukt und unterliegst den natürlichen Rhythmen, die dir die Natur vorgibt, ob du das willst oder nicht

Das Problem: Dauerproduktivität steht bei den meisten auf der Tagesordnung. Der Terminkalender quillt über, der ganze Tag ist durchorganisiert.

Was nicht im Kalender steht, ist ein unwahrscheinlich maßgeblicher Faktor für unsere Energie und Fähigkeit nachhaltig und langfristig leistungsfähig zu sein: Pausen und somit Raum für Regeneration. Rückzug, Stille und Freiraum, der es dir erlaubt, aufzutanken. 

Zyklisches Arbeiten: Der Schlüssel für mehr Energie?

Ein erster wichtiger Schritt, wenn es um Energiemanagement geht: Weg von der Dauerproduktivität hin zu mehr Pausen und Freiraum für Regeneration.  

Zyklisches Arbeiten kann der Schlüssel sein für mehr Energie, effizientes Arbeiten sowie Leichtigkeit und Freude bei dem, was du tust.

Du bist ein zyklisches Wesen und wie auch die Natur unterliegst du als Mensch unterschiedlichen Phasen, die unterschiedliche Qualitäten mit sich bringen. Diese Erkenntnis ist ein wichtiges Herzstück im Ayurveda und findet Verwendung in allen Bereichen des Lebens. 

Um nachhaltig und langfristig energievoll zu sein, musst du lernen, deine Arbeit und dein Leben typrecht und in deinem individuellen Rhythmus zu planen.

Lerne, deine Bedürfnisse wahrzunehmen und Pausen für Regeneration genauso selbstverständlich wie alle anderen Termine fest in deinen Tagesablauf zu integrieren.

Sandy Hengst
Ayurveda-Therapeutin für Unternehmerinnen

https://sandyhengst.de/

Gesundheitsverhalten

Führungskräfte sind aufgrund ihrer vielfältigen Anforderungen einem besonderen Maß an Stress und Erwartungsdruck ausgesetzt. Dadurch besteht die Gefahr, die eigenen Ressourcen zu vernachlässigen und die persönliche körperliche und mentale Gesundheit aus dem Fokus zu verlieren.

Komplexe Vorgänge, anspruchsvolle Projekte verbunden mit Termindruck, Organisationsstress, unvorhersehbaren Unterbrechungen oder die Anliegen der eigenen Mitarbeiter stellen hohe Anforderungen an die Führungsqualitäten.

Eine wesentliche Voraussetzung eines gesunden Führungsstils ist neben der fachlichen und persönlichen Kompetenz die gesunde Selbstfürsorge (Self-Care). Das körperliche Bedürfnis nach Pausen, gesundem Essen, Bewegung und ausreichend Schlaf müssen befriedigt werden, um den eigenen Ressourcenpool stabil zu halten. Denn die Beachtung der eigenen Bedürfnisse ist der Grundpfeiler einer gesunden Selbstführung.

Der Körper ist ein hochkomplexes „Unternehmen“. In ihm arbeitet ein vernetztes und interaktives Team aus Hormon-, Nerven-, Stress- und Immunsystem. Wird dieses Team richtig gepflegt und unterstützt, können alle physischen und psychischen Mechanismen im Körper automatisch auf GESUNDHEIT ausgerichtet werden.

Wer als Führungskraft Vorbild ist, indem er ein gesundes und aktives Leben mit positiver Grundausstrahlung meistert, kann auch seine Mitarbeiter*innen entsprechend motivieren. Ein vitales, gesundes und mental stabiles Team an Mitarbeiter*innen ist leistungsfähiger und belastbarer. Die persönliche Gesundheits-Führung stellt somit einen wichtigen Aspekt in der Mitarbeiterführung dar. Diese Haltung spiegelt sich auch im Verhalten gegenüber den Mitarbeiter*innen wider und hat damit Einfluss auf den gesamten Arbeitsprozess.

„Self-Care“ ist dabei kein Selbstzweck sondern sowohl Ziel als auch Weg. Dabei geht es in erster Linie um Selbstwahrnehmung, Selbstreflexion und einen gezielten Ressourcenausbau für die eigene Gesundheit. Sie sollte daher fester Bestandteil im Arbeitsalltag sein, und zwar nicht nur für die Führungskräfte sondern für alle Mitarbeiter*innen.

Gesunde Führung bedeutet zu wissen, was den Mitarbeiter*innen guttut und sich darum zu kümmern, ihnen dazu Zugang zu verschaffen. Selbstführung basiert dabei auf der Motivation, für die eigene Gesundheit aktiv zu werden. Self-Care bedeutet letztlich die Verantwortung für sich zu übernehmen, den Selbst-Schutz / die Fürsorge.

Aufmerksamkeit für die eigenen gesundheitlichen Bedürfnisse schafft das Fundament einer gesunden Führung im Sinne der Selbstführung und somit auch der Mitarbeiterführung.

Franziska von der Osten
Ganzheitliche Ernährungsberaterin & Mental Coach
https://immun-mit-system.de

Entspannung

Die Kulisse und der Blick dahinter!

Eine Führungskraft oder ein Führungskräfte-Coach hat es mit Menschen zu tun, die beruflich eingespannt sind, Leistung bringen möchten und auch müssen. Diese Menschen möchten gesehen werden, von ihrer Führungskraft oder von ihrem Coach. Gesehen werden, mit all ihren Fähigkeiten aber auch Bedürfnissen.

Alle Veränderungen, die eine Führungskraft oder ein Coach einbringt, dürfen so ausgerichtet sein, dass alle Beteiligten dabei unterstützt und gefördert werden.

Gelingt dies, so sind alle Beteiligten zufrieden, fühlen sich anerkannt und motiviert. Es fällt leicht neue Kräfte zu bündeln.

Bei all diesem Fokus auf andere, bleibt die Frage: Wo bleibt die eigene Entspannung, die sogenannte eigene Mitte und der eigene Flow?

Hier umzuswitchen fällt vielen Personen mit Personalverantwortung schwer.

Umso wichtiger ist es, genau diese Verantwortung auch auf sich selbst zu übertragen.

Die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen!

Kraft, Energie und innere Stärke zu entwickeln für sich selbst. Durch Auszeiten, aber auch durch Reflexionszeiten. Durch Phasen der Entspannung.

Diese Phase des regelmäßigen Auftankens kann so unterschiedlich gestaltet und gefüllt sein, wie es Menschentypen gibt.

Erfolgreiche, vielbeschäftigte Menschen wählen für ihre Freizeit oftmals auch anspruchsvolle Beschäftigungen. Doch bringen Treffen mit Freunden, Ehrenämter, ehrgeizige Sportarten etc. wenig Ruhe in das aufgewühlte Innere.

Ruhige Zeiten des Alleinseins, Meditation, Yoga, Spaziergänge, Lesen oder ruhigere Sportmöglichkeiten, je nach Vorlieben, gekoppelt mit Persönlichkeits“arbeit“, die es ermöglicht, sich selbst genauer zu verstehen, können spürbar Ruhe und Entspannung entstehen lassen.

Sich selbst verstehen ist die Lösung!

Nur so können wir für andere positive Wege entstehen lassen und selbst voll imFLUSSsein.

Matina Haacks
Hypnosetherapeutin, Entspannungspädagogin & Kinderyoga-Ausbilderin

https://imflusssein.com/

Führungsverhalten

Was bedeutet gesunde Führung und was kann daraus entstehen?

„Wer sich selbst führen kann, kann andere führen.“ Pater Anselm Grün

Welche Aspekte können in „Gesunder Führung“ beinhaltet sein?
Welche Fragen kannst du dir dabei stellen?

  • Bin ich mir meiner selbst bewusst? “Was macht mich als Mensch aus?“ Kenne ich meine eigenen Stärken, Werte und Sinn?
  • Wie ist meine innere Haltung und was ist in der Zusammenarbeit mit Menschen wichtig?
  • Wie sehr kann ich mich und Erlebnisse reflektieren?
  • Wie lebe ich Wertschätzung?
  • Schaffe ich einen Raum für Vertrauen, Offenheit und Emotionen gezeigt werden können?
  • Zeige ich wahres Interesse an Mitarbeiter*innen?
  • Wie lebe ich die Emotionale Intelligenz?
  • Spüre ich, wenn es Menschen in meinem Umfeld nicht gut geht? Bin ich empathisch?
  • Gebe ich wertschätzendes und konstruktives Feedback? Bin ich offen für Feedback?
  • Wie transparent gehe ich mit den Themen, die für das Unternehmen und die Abteilung relevant sind, um?
  • Lebe ich selbst alle Säulen des PERMA-Lead (Positive Emotions, Engagement, Relationships, Meaning, Accomplishment) vor und gebe ich den Rahmen dafür?
  • Wie ausgeprägt achte ich auf Resilienz bei mir und fördere dies bei meinen Mitarbeiter*innen?

Warum ist gesunde Führung so wichtig?
Seit März 2020 befinden wir uns in einer herausfordernden Zeit. Viele Menschen beschäftigen sich mit ihren psychologischen Grundbedürfnissen wie Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit. Folgende Fragen werden immer wichtiger: „Was ist mir wichtig und welches Umfeld wünsche ich mir?“ „In welchem Umfeld möchte ich arbeiten?“ „Wo kann ich meine Talente, Fähigkeiten und Stärken einzubringen?“ „Wo werden meine Bedürfnisse wahrgenommen und Werte, die mir wichtig sind, gelebt?“

In Studien werden Merkmalen über Generation „Y„ aufgeführt wie Vernetzung, Leben im Hier und Jetzt, Arbeit muss Spaß machen, selbstständige und unabhängige Arbeitsweise und Selbstverwirklichung. Im vergangenen Jahr durfte ich viele Menschen der Generation „X“ kennenlernen, die ihr Anstellungsverhältnis kündigten, weil auch bei ihnen eine Wertewandel stattgefunden hatte und das Ausleben dieser Werte bei ihrem Arbeitgeber nicht möglich war.

Auch psychische Aspekte sind somit wichtig, um gesunde Führung zu erreichen. So zeigt sich beispielsweise auch, dass durch fehlende Wertschätzung psychische Erkrankungen entstehen können, was im Unternehmen zu einem einem entsprechender Krankenstand führt.

Was kann durch gesunde Führung entstehen?
Mitarbeiter*innen die ihre Stärken einbringen, erleben Flow-Momente. Durch erlebte positive Emotionen werden Glückshormone aktiviert, was sich auf die Mitmenschen auswirkt. Das wirkt geradezu ansteckend. Wer ein Wofür, einen Sinn im Tun erlebt, braucht kein Wie. Wenn ich wertschätzende Beziehungen im beruflichen Kontext erlebe, schafft dies ein Wir-Gefühl, bei dem ich authentisch sein kann. Ein Umfeld, in dem Ziele nicht nur gesetzt und erreicht werden, sondern in dem ich auch Wertschätzung erlebe, bietet Raum zum Aufblühen.

Doris Wiedemann
Systemischer Coach, Stärken-Coach & PERMA-Lead-Coach

https://doriswiedemann.coach/

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